Dry Gins/ Destilled Gins Gin-Sorten

Gin Sul – Hamburg trifft auf Portugal und Zitronensträucher

Gin Sul Test & Tasting

Beim Gin Sul handelt es sich um einen in Hamburg-Altona gebrauten und portugisisch inspirierten Gin Made in Germany. Was diesen Gin so besonders macht und was es mit dem Wort “Saudade” auf der Flasche auf sich hat, im folgenden Artikel erfahrt ihr es.

Gin Sul – die Entstehung

Ins Leben gerufen wurde der Gin Sul, übrigens ein Vertreter der Dry Gins, vom Hamburger Stephan Garbe. Garbe, eigentlich ein gelernter Werbetexter, hatte eine gut laufende Agentur, die unter anderem dem damaligen Bürgermeister von Hamburg Ole von Beust zum Sieg verhalf. Es hagelte Aufträge über Aufträge, aber irgendwann, da kam der Point of no return. Stephan konnte nicht mehr, fühlte sich einfach ausgebrannt. Also verkaufte er 2009 seine Werbeagentur.

Er nahm sich Zeit für seine Kinder und reiste nach Portugal. Dort erkundete er das Land auf eigene Faust mit einem Wohnmobil. Während dieser Reise kam er an einem kleinen Ort namens Odeceixe an der Costa Vicentina, an deren Küstenstreifen Wacholder nahezu wuchert, vorbei. Laut eigenen Aussagen habe er sich in diesen Ort verliebt. Dabei kam ihm der Gedanke, ob es denn überhaupt einen portugiesischen Gin gibt. Er konnte sich nicht erinnern. Und so fasste er den Entschluss einen eigenen portugiesischen Gin herzustellen. Ursprünglich wollte Garbe den Gin tatsächlich direkt in Portugal herstellen. Da die bürokratischen Hürden ihm jedoch leider einen Strich durch die Rechnung machten, entschied er sich dafür den Gin Sul in seiner Heimat Hamburg zu produzieren.

Portugal bei Nacht - Gin Sul Herkunft & Tasting

Stephan Garbe wäre aber nicht Stephan Garbe, wenn er als gelernter Werbetexter nicht wissen würde den Gin Sul geschickt in Szene zu setzen. Abgefüllt wird er in 500 Milliliter großen Steinkrügen mit auffällig blauer Schrift. Gelernt ist eben gelernt.

Über dem Schriftzug “destilled in Hamburg” prangt ein Wort, welches man nicht so wirklich eindeutig übersetzen kann. Dort steht “Saudades”. Es bezeichnet eine Mischung aus Sehnsucht, Fernweh und Melancholie.

Botanicals und Herstellung

Trotz dass der Gin in Hamburg hergestellt wird, bleibt die Verbindung zu Portugal dennoch deutlich bestehen. Alle 14 Gewürze des Gin Suls werden hauptsächlich von der Costa Vincentina im Südwesten Portugals importiert. Zu den im Gin Sul enthaltenen Botanicals zählen unter anderem:

  • Bio-Wacholder
  • Zitronenschalen
  • Rosmarinzweige
  • Koriander
  • Lavendel
  • Zimt
  • Rosenblätter

Diese und andere Botanicals werden mazeriert (eingeweicht) und in einer Kupferkernblase destilliert. Diese handgefertigte Kupferkernblase aus dem Hause Arnold Holstein hat ein Fassungsvermögen von nur 100 Litern. Auf der Webseite von Gin Sul wird sogar von einer “homöopathischen Füllmenge im Vergleich zur restlichen Industrie gesprochen. Das ist aber so gewollt, da es so möglich ist sehr langsam und in kleinen Durchgängen zu destillieren, was den Aromen auf ihrem Weg ins Geistrohr mehr Zeit und Platz zur Entfaltung bietet.

Auf ihrem Weg in das Geistrohr müssen sich die Alkoholdämpfe ihren Weg durch den sogenannten Anisateur kämpfen. Dabei handelt es sich um einen Geistkorb, welcher bei der Destillation des Gin Suls beispielsweise mit frischen Zitronenschalen, Rosmarinzweigen und Rosenblättern befüllt wird. Nach der Destillation wird der Gin Sul auf seine endgültigen 43 % Vol. Trinkstärke gesetzt und in die oben schon angesprochenen 500 Milliliter fassenden Steinkrüge abgefüllt. Zur Herstellung hat sich Stephan Garbe übrigens bewusst für das kalte, klare und weiche Wasser aus der Lüneburger Heide entschieden

Stellt sich nur die Frage wo die Verbindung zu Portugal bleibt, neben den importierten Botanicals natürlich. Wir klären auf. Für eine besondere Bindung an Portugal sorgen die an den Steilküsten Portugals wachsenden Zitronensträucher. Zur Destillation werden jedoch nicht die Blüten und Blätter verwendet, sondern das sogenannte “Ladanum”, das Harz, welches die Blätter absondern.

Gin Sul Tasting & passende Tonic Water

Führt man sich die Geschichte des Gin Suls zu Gemüte, geht man mit der Erwartung heran, das Mittelmeer in irgendeiner Art und Weise zu spüren. Geruchlich verstreut der Gin Sul ein weiches Wacholderaroma gepaart mit kräftigen kräutrigen Noten. Die süßen Geruchsnoten deuten sich nur leicht an.

Mit seinen 43 % Vol. bietet der Gin Sul am Gaumen ein weiches und trockenes Aroma am Gaumen. Die Würze geht in einen leicht harzigen Duft der Zitronen über und paart sich mit frischen Zitrusnoten.

Wird der Gin Sul pur verkostet, so erhält man einen doch recht angenehm langen Abgang, welcher im Verlauf wieder ein leichtes Wacholderaroma bietet, welches von leichten Orangennoten abgerundet wird.

Bei der Auswahl der passenden Tonic Water für einen Gin Tonic ist große Vorsicht geboten. Da es sich beim Gin Sul um einen Gin mit leichtem Wacholderaroma, Zitrusfrische und leicht harzigem Aroma handelt, sollte zu leichtem Tonic Water gegriffen werden. Grund hierfür ist das im Tonic enthaltende Chinin, welches die Noten des Gins schnell erschlagen kann. Es wird empfohlen auf Fever Tree Tonic und Fever Tree Mediterranean zurückzugreifen.

Fazit

Gin Sul (1 x 0.5 l)
  • Distilled in Hamburg
  • Typisch weiße Tonflasche schützt zarten Aromen und den Gin vor Licht und Temperaturschwankungen
  • Von Hand gefertigt

Beim Gin sul handelt es sich um einen hervorragenden Gin hergestellt in Deutschland, welcher durch seine Botanicals dennoch einen direkten Bezug zu Portugal aufweist. Er hat einen angenehem langen Abgang und weiß mit seinem portugiesisch angehauchtem leichtem Zitrusaroma zu überzeugen. Nicht umsonst wird er in der von Jörg Meyer betriebenen Bar “Le Lion”, in die es nur ausgewählte hochwertige Produkte schaffen, kredenzt. Aber auch Größen wie Tim Mälzer haben den Gin Sul geordert und er ist desweiteren im 25 hours-Hotel in Berlin geführt.

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