Hendrick’s Gin, ein eher untypischer Vertreter der Szene gibt sich die Ehre. Der im Jahr 2000 eingeführte Gin aus Schottland blickt auf eine lange Tradition zurück.

Was der Hendricks mit Gurkensandwiches zu tun hat und wofür der Aufdruck “Est. 1886” auf dem Etikett steht, soll dieser Artikel aufklären. Natürlich gehen wir noch auf die Herstellung und passende Tonic Water ein.

Hendricks – die Entstehung

William Grant & Sons, eher für einen guten Whiskey bekannt, nahm 1999 die Herstellung des Hendricks Gins auf. Die Idee dazu kam dem Master Blender David Steward zusammen mit John Ross und der Brennmeisterin Lesley Gracie. Steward soll die typisch britische Vorstellung von Gurkensandwiches mit Gin Tonic in einem Rosengarten inspiriert haben [1][2].

Was aber bedeutet der Aufruck 1886? Evtl. ein Hinweis auf das Alter der Rezeptur? Da es sich bei dem Hendricks um einen relativ jungen Gin handelt, steht die Jahreszahl für die erste Brennerei, welche 1886 in Schottland vom Firmengründer William Grant eröffnet wurde.

Angebot
Hendrick's Gin – der einzigartige Gin mit Gurken und...
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  • Der mit einer Kombination aus Carter-Head und Bennet-Kessel destillierte Hendrick's Gin besticht durch...

Ab 2003 wurde der Hendricks auch in Deutschland unter dem Spirituosenhändler Campari eingeführt.

Gurke trifft Rosenblätter – Tasting & Nosing

Ungewöhnlich und exzentrisch könnte man sagen, denn da wo Gin gewöhnlich auf einer Wacholderbasis besteht, werden beim Hendricks ganz andere Grundkomponenten gewählt: Gurke und Rosenblätter.

In der Nase ist er zunächst etwas kräftiger, Zitrone und Koriander dominieren den ersten Eindruck. Nach einer Weile gesellen sich dezent Wacholder und eher blumig-würzig Noten hinzu. Die Gurke ist

Wenn man sich auch geschmacklich und vordergründig durchaus auf Gurkensandwiches im blühenden Rosengarten konzentriert, so verstecken sich dennoch Wacholderbeeren präsent im Hintergrund.

Dominiert wird der Geschmack jedoch von Koriandersamen, würzigen Aromen und leichten Zitrusnoten.

Im Gin Tonic wirkt er je nach Mischverhältnis eher mild, auch hier übernimmt der Koriander schnell die Oberhand. Vom Geruch intensiv, zunächst sehr alkoholisch und wieder von Zitrone beherrscht. Nach einiger Zeit, im Abgang also, kommt auch der leichte Gurkengeschmack zum tragen.

Empfohlen wird er mit Gurke im Glas um die frische Note noch weiter herauszufordern.

Herstellung

Der Hendricks wird in einem Bennet- sowie Carterhead-Kessel in der schottischen Girvan Brennerei hergestellt. Wie auch beim Bombay Sapphire haben die Pflanzenauszüge (Botanicals) hierbei keinen direkten Kontakt mit dem Destillat, vielmehr nimmt hier der Alkoholdampf schonend und sanft alle Aromen auf.

Zur Aromatisierung werden schließlich Gurken- und Damaszenerrosen Essenzen hinzugegeben.

Das weiche Wasser kommt direkt aus dem naheliegenden Penwhapple Reservoir und bringt den Gin auf eine Trinkstärke von 44 % vol bzw. 41,4 % vol. Abgefüllt wird er in einer verkorkten viktorianischen Apothekerflasche.

Die leere Flasche wird übrigens gern zu Deko-Zwecken als hübsches Leuchtmittel genutzt. Eine spezielle LED-Lichterkette  machts möglich.

Botanicals des Hendricks Gin

Zu den 11 Botanicals die dem Hendricks seinen unverwechselbaren Geschmack verleihen, gehören:

  • Koriandersamen
  • Veilchenwurzel
  • Wacholderbeeren
  • Kamille
  • Pfefferbeeren
  • Holunder
  • Schafgarbe
  • Kümmel
  • Engelwurz-
  • Zitronen-
  • und Orangenschalen

Passende Tonic Water & Cocktails

Hier eignen sich eher sanftere Tonics, die den eigentlichen Geschmack von Gurke und Rosenblättern nicht übertünchen. Klassisch empfohlen wird der Thomas Henry, aber auch ein mediterraner Fever Tree  ergänzt den Geschmack würzig jedoch unaufdringlich, bestenfalls zusammen mit etwas Gurke und viel Eis.

Für den perfekt Serve des Gin Tonic empfehlen wir:

  • 5 cl Hendrick’s Gin
  • 15 cl Tonic Water
  • 3 dünn geschnittene Gurkenscheiben

Hendricks Orchard Collins

  • 5 cl Hendrick’s Gin
  • 2,5 cl Zitronensaft
  • 2,5 cl Cider
  • 3 Apfelschnitze
  • Ginger Beer zum Auffüllen
  • Garniere mit Gurke und Rosen

Angelehnt an den Klassiker Tom Collins, werden alle Zutaten in ein Longdrink oder Coppa-Glas gegeben und leicht verrührt. Mit dem Ginger Beer auffüllen und mit 3 Apfelschnitzen garnieren.

Aufgrund seines würzigen und zitruslastigen Auftretens, eignet er sich hervorragend für einen Gin Basil Smash und lässt auch souveräne Martinis entstehen.

Fazit: kein London Dry – na und!

Da der Hendrick’s zusätzlich aromatisiert wurde und Wacholder nicht im Vordergrund steht, erreicht er nicht den Qualitätsstandard London Dry Gin, was ihn dennoch nicht davon abhält als besonderer Gin der “New Western Dry“-Gattung bei einem gemütlichen Picknick beizuwohnen.

Verschroben und exotisch will er sein, garniert man ihn mit Gurke, fügt viel Eis hinzu und übergießt das ganze mit einem unauffälligem Tonic Water, so wird er dieser Behauptung durchaus gerecht.

Für knapp 35 € pro 0,7 L ein anständiger aber fairer Preis. Zu haben auf Amazon  oder bei Wacholder-Express:

Wacholder Express

Quellen

[1] Interview mit Hendrick’s-Brennmeisterin Lesley Gracie, August 2014
[2] Diffordsguide Gin. Odd Firm of Sin, London 2012, ISBN 978-0-9556276-1-3