Hier ist es diesmal ausnahmsweise nicht die Flasche, nein, der London No. 1 ist tatsächlich blau eingefärbt. Für einen spanischen Markeneigner in England produziert und mit einem recht hohen Alkoholgehalt kommt dieser Gin recht kräftig und trocken im Gaumen an.

Auch wenn uns der Name einen London Dry Gin unterjubeln möchte, so haben wir hier ein klassischen Dry Gin im Glas.

Geschichte

Seit 2008 auf dem Markt, wird dieser Gin im spanischen Hause Gonzales Byass vertrieben. Hergestellt jedoch wird der No.1 in London, genauer gesagt in der Timbermill Distillery.

Chef-Destiller Charles Maxwell, welcher bereits in der 8. Generation Gin brennt, bezieht dabei das Getreide für den Basisalkohol aus dem lokalen Suffolk und Norfolk.

Angebot
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Doch warum ist der Gin blau?

Im Gegensatz zur blau eingefärbten Flasche des Bombay Sapphire, ist dieser Gin in der Tat bläulich verfärbt. Möglich macht es die Zugabe bzw. Infusion von Gardenien und Bergamotten Öl. Eine nette Idee, die allerdings wenig bis gar nichts zum Geschmack oder dem Storytelling beiträgt.

Herstellung & Botanicals

Produziert im klassischen Pot-Still-Verfahren, wird der aus Getreide gewonnene Basisalkohol dreifach destilliert. 12 Pflanzenauszüge, die rund um die Welt beheimatet sind, werden verwendet. Zu den Botanicals zählen:

  • Mandeln (aus Griechenland)
  • Bohnenkraut
  • und Engelwurz (aus den franz. Alpen)
  • Wacholderbeeren (aus Kroatien)
  • Bergamotte,
  • Lilienwurzel,
  • Orangen-
  • und Zitronenschalen (aus Italien)
  • Koriander (aus China)
  • Süßholz (aus der Türkei)
  • Zimt (aus Sri Lanka)
  • schwarze Johannisbeere

Der London No.1 wird mittels Quellwasser aus den Quellen von Clekenwell im Norden Londons auf eine Trinkstärke von 47 % Vol. gebracht.

Nosing & Tasting

Als wir die Flasche öffneten, kam uns sofort eine klar erkennbare Note Alkohol entgegen. Teilweise hatten wir das Gefühl, Vodka im Glas zu haben.

Nachdem der Gin nun schon eine Weile im Glas verweilte, halten wir unsere Nase erneut über den No.1 und können nun tatsächlich eine recht kräftige Wacholdernote erkennen, wobei wir uns einbilden, dass auch ein leicht harziges Aroma mitschwingt.

Bergamotte ist in Nuancen und Auszügen ebenfalls zu erriechen.

Lässt man den Gin noch ein wenig mehr atmen, so gesellen sich zu den vorherigen Aromen auch leichte Zitrus- und Kräuternoten hinzu.

Genug der Worte über den Geruch, wie schmeckt er?

Der London No. 1 hinterlässt am Gaumen einen bleibenden Eindruck. Das erste, was man schmeckt, ist die Schärfe des Alkohols. Die vorhandenen Aromen herauszuschmecken, gestaltet sich zunächst schwierig. Wir geben einen winzigen Schluck Wasser hinzu und nehmen dem Alkohol so die Schärfe.

Jetzt kommt der Wacholder, umspielt von einer gewissen Fruchtigkeit, vermutlich den Beeren und Orangen geschuldet. Ebenfalls wahrnehmbar waren nun auch die angenehmen, dezenten Zitrusaromen.

passende Tonic Water & Cocktails

Als Alleskönner kann man mit dem Thomas Henry Tonic Water im Prinzip nichts falsch machen. Ergänzend dazu haben wir ihn außerdem mit dem Schweppes Indian Tonic  und dem Fever Tree Indian Tonic Water  probiert und einen recht gelungenen Gin-Tonic erhalten.

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Allerdings muss man auch hier einen geübten Geschmackssinn mitbringen, um auch nur annähernd die verwendeten Botanicals zu erahnen. Der Wacholder kommt jedoch, zusammen mit der erwähnten Schärfe und etwas Zitrone, ganz gut zur Geltung.

Cocktailtipp: The Bronx

Ein Drink, kreiert in den 20er Jahren und erfunden vom Bartender Johnnie Solan aus dem Waldorf-Astoria Hotel. Benannt wurde er nach dem New-Yorker Stadtteil Bronx.

  • 4 cl London No.1 Gin
  • 2 cl süßer Wermut
  • 1-2 cl trockener Wermut
  • 3 cl frisch gepresster Orangensaft
  • 1 Spriter Angustura Bitter Orange (optional)

Alle Zutaten hart auf Eis shaken und in ein gekühltes Coupe Glas abseihen. Garniert mit einer Orangenzeste ein erfrischender Drink.

Fazit: doch kein blaues Wunder?

Lässt man die Schärfe einmal außen vor, so hat man hier immer noch ein wirkliches Premiumprodukt in den Händen. Hat man doch, oder? Prinzipiell scheiden sich die Geister bei diesem englischen Gin unter spanischer Schirmherrschaft. Die einen lieben ihn, die anderen halten den No.1 für alles, außer besonders.

Man könnte vermuten die Vodkaproduktion im Hause Gonzales Byass spiegelt die alkoholische, tatsächlich an Vodka erinnernde Schärfe wieder. Ganz so schlecht können und wollen wir diesen blauen Gin jedoch nicht machen. Denn, hat man sich an den zunächst sprittigen Unterton gewöhnt, kann und sollte man sich auf das ein oder andere exotische Aroma einlassen.

Je ausgefeilter die Tastingqualitäten des Konsumenten, desto mehr lässt sich hier entdecken und erahnen.

Was bleibt? Ein London No 1. der kein London Dry Gin ist. Alkoholisch scharf, trocken und durchaus auf klassischen Wacholder und Zitrone fokussiert. Etwas Phantasie, passendes Tonic und etwas Geduld hinzugefügt und der Abend lässt sich vielleicht doch noch retten.

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Titelbildcredit: Gonzales Byass